Alles, was du über die Kastration bei Hunden wissen musst

Hund Kastration Tipps

Eine Kastration ist ein einmaliger Eingriff und kann nicht rückgängig gemacht werden. Aus diesem Grund sollte man sich im Vorhinein gründlich Gedanken dazu machen, was dafür und was dagegen spricht.

Allgemein wird die Kastration angewandt, um die Fortpflanzung zu unterbinden. Allerdings gibt es weitere Gründe und verschiedene Auswirkungen auf Hündinnen und Rüden, weshalb eine Kastration durchgeführt wird.

Tierschutzgesetz

Das Tierschutzgesetz verbietet eine teilweise oder ganze Amputation von Körperteilen. Auch die Kastration fällt unter dieses Verbot. Erlaubt ist sie allerdings, um eine unkontrollierte Fortpflanzung zu verhindern. Das gilt in Deutschland beispielsweise bei frei herumlaufenden Katzen, nicht aber z. B. bei Hunden, die ein Herrchen haben und unter dessen Schutz sie leben.

Kastration einer Hündin

Hündinnen werden bei der Kastration im Normalfall die Eierstöcke entfernt, manchmal aber auch die Gebärmutter.

Gründe warum eine Kastration bei Hündinnen durchgeführt wird:

  • Unterbindung der Fortpflanzung
  • Gesundheitsbedingte Gründe: z. B. Gebärmutterentzündung, wiederkehrende Scheinschwangerschaften, Gesäugetumore
  • Gesäugetumore: Wird eine Hündin vor ihrer ersten Läufigkeit kastriert, sinkt das Tumorrisiko auf ca. 0,01 %. Kastriert man sie vor der zweiten Läufigkeit, sinkt das Tumorrisiko noch um 0,5 %. Wird die Hündin erst später kastriert, wirkt sich die Kastration nicht mehr auf die Tumorbildung aus. Allerdings ist zu beachten, dass nicht jede Hündin Gesäugetumore bekommt und es auch gutartige gibt.
  • Läufigkeit (erschwert das Gassi-Gehen, da Rüden stark auf läufige Hündinnen reagieren)
  • Monatsblutungen der Hündin

Folgen, die nach einer Kastration bei Hündinnen auftreten (können):

  • Zeugungsunfähigkeit
  • Läufigkeit und Blutungen bleiben aus
  • Der geistige Entwicklungsschub nach der ersten Läufigkeit wird durch eine vorhergehende Kastration unterbunden
  • kindliches Verhalten
  • Tumorrisikosenkung
  • Fellveränderung
  • Inkontinenz
  • Risiko zu Übergewicht steigt (je nach Rasse stärker oder schwächer was aber durch richtige Ernährung und Bewegung ausgeglichen werden kann)
  • Bei Hündinnen bestimmter Hunderassen (mit Schutzinstinkt oder Neigung zur Sozialunverträglichkeit) kann es nach einer Kastration zu aggressivem Verhalten gegenüber anderen Hündinnen kommen

Kastration eines Rüden

Rüden werden bei einer Kastration die Hoden entfernt.

Gründe, warum eine Kastration bei Rüden durchgeführt wird:

  • Aggressives Verhalten gegenüber anderen Hunden oder Menschen
  • Gesundheitsbedingte Gründe (Prostataprobleme, Tumorerkrankungen etc.)
  • Wegfall/Verringerung der sexuellen Reaktion auf läufige Hündinnen
  • Hyperaktivität
  • Ungehorsam

Folgen, die nach einer Kastration bei Ründen auftreten können:

  • Kastrierte Rüden werden etwas größer als nicht kastrierte
  • Risiko zu Übergewicht steigt (je nach Rasse stärker oder schwächer, was aber durch eine richtige Ernährung und Bewegung ausgeglichen werden kann)
  • Aggressives Verhalten gegenüber anderen Hunden oder Menschen kann gedämpft werden oder ganz verschwinden, weil nach Entfernung der Hoden kein Testosteron mehr produziert wird. (Je jünger die Hunde bei der Kastration sind, desto stärker und wirksamer ist die Dämpfung einer hormongesteuerten Aggression. (Bei Verhaltensaggressionen bewirkt eine Kastration nichts).

Es sollte aber klar sein, dass eine Kastration kein Wundermittel gegen unerwünschte Verhaltensweisen ist. Nur durch Sexualhormone bedingtes Verhalten kann sich ändern, da nach der Kastration diese Hormone nicht mehr erzeugt werden. Eine Kastration ersetzt auf keinen Fall eine gute Erziehung!

Nicht zu vergessen ist ebenso, dass die meisten der genannten Gründe für eine Kastration gegen das Tierschutzgesetz verstoßen!

Auch ist zu bedenken, dass nach einer Kastration Nebenwirkungen/Verhaltensänderungen auftreten können und ob diese besser für den Hund und/oder sein Herrchen sind, sei dahingestellt.

Medikamentöse Kastration

Als Alternative zu einer sofortigen chirurgischen Kastration kann zuerst eine medikamentöse Kastration versucht werden. Hierbei werden die Hormone durch Medikamente unterdrückt. Dadurch kann ausgetestet werden, ob eine chirurgische Kastration das unerwünschte Verhalten nehmen oder wenigstens minimieren könnte. Allerdings sollte die medikamentöse Variante nicht dauerhaft durchgeführt werden, da gesundheitliche Nebenwirkungen möglich sind.

Hypersexualität

Hypersexualität, kommt meist bei kleinen oder kleineren Hunden vor, die z. B. häufig mit einem Kissen oder an einem Menschenbein/-arm ausgelebt wird, ist kein Grund für eine Kastration. Diese Art der Sexualität kann, im Gegensatz zu der normalen Sexualität der Hunden, abtrainiert werden.

Rangordnung

Kastrierte Rüden stehen in der Rangordnung meist niedriger als unkastrierte Rüden. Sie werden von letzteren als neutral oder sogar weiblich wahrgenommen, was daran liegt, dass Rüden nach der Entfernung der Hoden nicht mehr überwiegend männliche, sondern fast ausschließlich weibliche Hormone produzieren.

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Für dich geschrieben von

Heiko Schneider

Ich bin mit Hunden aufgewachsen. Seit über 10 Jahren erlebe ich mit meinem Labradorrüden Tano kleine und große Abenteuer. Im Hundekumpel Blog teile ich meine Erfahrungen mit meinen liebsten vierbeinigen Freunden.

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